Spenden für Flüchtlinge

Eine besonders wichtige Herausforderung für Hilfsorganisationen sind in diesen Wochen und Monaten die Flüchtlinge, die täglich zu Tausenden nach Europa drängen. Viele Menschen haben große Gefahren auf sich genommen, um Kriegen (Syrien, Irak) zu entfliehen. Andere suchen eine bessere Alternative zur ökonomischen Hoffnungslosigkeit ihrer Heimat. Dies betrifft vor allem die Flüchtlinge aus Südosteuropa und aus Afrika. Zwar berechtigen wirtschaftliche Motive nicht zu einem Asyl in Deutschland, doch sind sie an handfestes und legitimes Motiv für einen versuchten Neuanfang.

Somalische Schule im Flüchtlingslager Dadaab - Quelle: gemeinfrei

Somalische Schule im Flüchtlingslager Dadaab – Quelle: gemeinfrei

60 Millionen Flüchtlinge weltweit

Der aktuelle Flüchtlingsstrom nach Europa ist nur ein spezieller Teil einer weltweiten Bevölkerungsverschiebung. Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks sind auf der Erde etwa 60 Millionen Erwachsene und Kinder auf der Flucht. Etwa zwei Drittel von ihnen verlassen zwar ihre Heimat, suchen aber noch innerhalb ihres Herkunftslandes Schutz (so genannte Binnenvertriebene).

Wichtigstes Herkunftsland von Flüchtlingen ist derzeit Syrien. Vermutlich über zehn Millionen Menschen sind vor dem Krieg geflohen (Stand 2016), also fast jeder zweite Einwohner. Weitere bedeutende Herkunftsstaaten sind unter anderem Irak, Afghanistan, Südsudan, Demokratische Republik Kongo, Somalia, Myanmar und Kolumbien. Im kenianischen Flüchtlingslager Dadaab leben vermutlich über 300.000 Menschen, was es zum größten Lager der Welt macht.

Ziel Europa

Schon seit einigen Jahren wagen zahlreiche Menschen die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer, um von Afrika nach Italien zu gelangen. Oft sind sie ohne Nahrung und Trinkwasser zu Hunderten in kleinen, kaum seetauglichen Booten eingepfercht. Immer wieder gehen Boote unter und bringen ihren Passagieren den Tod.

In der zweiten Jahreshälfte 2015 nahmen immer mehr Flüchtlinge den Landweg über die Türkei, Griechenland und den Balkan. Dieser Weg war prinzipiell sicherer als das Mittelmeer, dauerte aber länger. Nachdem diese Balkanroute zwischenzeitlich zur wichtigsten Strecke nach Mittel- und Nordeuropa wurde, gelang es 2016 der Europäischen Union und den Balkanstaaten, diesen Weg fast vollständig zu unterbrechen. Seither wagen sich die Menschen wieder in Scharen in die „Seelenverkäufer“ – die winzigen, maroden Boote auf dem Mittelmeer. An manchen Tagen werden Hunderte aus Seenot gerettet – an anderen sterben Dutzende in den Fluten.

Im Jahr 2015 kamen bis zu eine Million Flüchtlinge nach Deutschland – wesentlich mehr als ursprünglich erwartet. Mit Hilfe von Spenden und vielen freiwilligen Helfern können diese Menschen zunächst in Übergangsunterkünften versorgt werden. Eine Prognose für die kommenden Jahre lässt sich kaum seriös aufstellen. Auch über die wünschenswerte Zahl der Migranten herrscht ein gesellschaftlicher Dissens.

Politische Konsequenzen

Auf politischer Ebene wird die so genannte Flüchtlingskrise kontrovers diskutiert. Die deutsche Bundesregierung will die Regeln für Zuzug und Asyl verschärfen, aber die Grenzen prinzipiell offen halten. Andere europäische Staaten erheben dagegen vehemente Forderungen nach einem Zuwanderungsstopp oder nach Aufnahmequoten. Auch innenpolitisch ist der deutsche Kurs umstritten, was sich unter anderem darin zeigt, dass fremdenfeindliche Tendenzen zunehmend gesellschaftsfähig werden.

Teilweise unklar ist nach wie vor, wie die Flüchtlingsbewegungen kontrolliert und gelenkt werden können. Als typischer Durchgangsstaat ist die Türkei mit erheblichen logistischen Herausforderungen konfrontiert. Gemäß dem „Flüchtlingspakt“ vom März 2016 erhält das Land finanzielle Zuschüsse für Unterkunft, Verpflegung und Verwaltung von Flüchtlingen. Besonders restriktiv handelt dagegen die ungarische Regierung, die ihre Landesgrenzen komplett abschotten will und diese mit einem Zaun befestigt hat.

Auf dem Prüfstand steht auch der bisherige Dualismus aus dem Schengen-Abkommen und der Dublin-Verordnung. Das Schengen-Abkommen garantiert räumliche Bewegungsfreiheit ohne Grenzkontrollen zwischen mehr als 20 europäischen Staaten. Um die Flüchtlingsströme besser regulieren zu können, haben aber viele Länder wieder Kontrollen eingeführt. Die Dublin-Verordnung besagt, dass ein Asylverfahren grundsätzlich in dem Unterzeichnerland durchgeführt werden soll, in dem der Asylbewerber ankommt. Eine solche Vorschrift erzeugt eine große Last auf den Ländern an der europäischen Peripherie (und wird in der Praxis häufig ignoriert).

Spenden: Was brauchen die Flüchtlinge?

Menschen auf der Flucht tragen in der Regel nur das Nötigste bei sich. Der konkrete Hilfsbedarf richtet sich nicht zuletzt danach, in welchem Land bzw. in welchem Flüchtlingslager die Menschen untergebracht sind. In Deutschland ist die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Medizin gesichert. Benötigt werden dagegen Kleiderspenden, Hausrat, Spielzeug und alles, was das Leben ein klein wenig lebenswerter macht…

In den Flüchtlingslagern im Nahen Osten, Afrika und anderen südlichen Ländern ist die Lage ungleich dramatischer und der Bedarf an Spenden wesentlich höher. Viele Lager liegen zudem in unwirtlichen, wüstenhaften Regionen. Benötigt wird zum Beispiel:

  • Zelte
  • Betten und Decken
  • Lebensmittel, besonders Kindernahrung
  • sauberes Trinkwasser
  • Kleidung
  • Hygieneartikel
  • Medikamente
  • Schulbücher und andere Lehrmittel
  • technische Ausrüstung aller Art

Ein großes Problem ist, dass gerade Kriegsflüchtlinge oft Grausames erlebt haben und dadurch traumatisiert sind. Sie brauchen daher dringend psychologische Betreuung. Darüber hinaus: Ohne Kenntnis von Sprache, kulturellen Gewohnheiten und Behördenroutinen fällt es den Flüchtlingen naturgemäß schwer, sich beispielsweise in Deutschland zurecht zu finden. Was hilft sind Menschen, die sich Zeit nehmen, ehrenamtlich Deutschkenntnisse zu vermitteln, Behördengänge zu begleiten – oder einfach nur ein offenes Ohr zu haben.

Wem spenden? Hilfsorganisationen für Flüchtlinge

Die meisten großen, international tätigen Hilfsorganisationen kümmern sich in der einen oder anderen Weise auch um Flüchtlinge. Innerhalb Deutschlands sind die Kommunen sowie die lokalen Sozialeinrichtungen die richtigen Ansprechpartner. Darüber hinaus gibt es aber auch Spendeneinrichtungen, die in der Flüchtlingsarbeit besondere Schwerpunkte setzen. Zum Beispiel:

Laut einer Untersuchung hat sich im Jahr 2015 fast die Hälfte aller Deutschen für Flüchtlinge engagiert, zum Beispiel durch Geld- oder Sachspenden. Das ist ein ermutigendes Signal gegen Fremdenfeindlichkeit.